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Offener Brief an Ratsausschuss soll die Wende bringen

16.02.2021

KETTWIG: Nachbarschaftskreis Bögelsknappen 
Von Nina van Bevern 

Steuert die Debatte rund um die Zukunft der ehemaligen Villa Ruhnau auf ihr Ende zu? Zumindest besteht die Möglichkeit, denn der Ratsausschuss Stadtentwicklung, Planung und Bauen (ASPB) hat das Thema am Donnerstag, 18. Februar, auf seiner Tagesordnung stehen. Die Mitglieder des Nachbarschaftskreises Am Bögelsknappen befürchten Schlimmstes und beziehen daher in einem offenen Brief an den ASPB erneut Stellung. 

Darin heißt es: 
„Sehr geehrte Damen und Herren, der Antrag von CDU und Grünen, der bei der Ausschusssitzung vom 18. Februar auf der Tagesordnung steht, basiert auf der Legende der angeblichen ‚Rettung der Villa Ruhnau‘. Er verschleiert das wahre Ausmaß der Zerstörung und der massiven Bebauung. Wie schon beim Kipphardt-Deal 2019 wird der zeitlich vage Teilerhalt der Villa verknüpft mit dem Verkauf des hinteren Grundstücks an den Investor zwecks Massivbebauung mit Luxusimmobilien. 90 (!) Tiefgaragenplätze und rund 40 Wohneinheiten sollen entstehen. Letztere würden die Zahl der Wohneinheiten am Bögel verdoppeln! 

Schwarz-Grün stimmt damit für die Zerstörung des Ensembles aus Architektur und Natur, Versiegelung von Freiflächen, Rodung des gesamten, teils jahrhundertealten Baumbestandes, Vernichtung von Habitaten, Architekturhistorisch fragwürdige Amputation der Villa, Vernichtung von gutem, bezahlbaren Wohnraum zugunsten von Immobilien in der Preisklasse ab 6.000 Euro je qm, Kündigung langjähriger Mieter und Hinausdrängen einer alten Dame mit lebenslangem Wohnrecht, Unzumutbare Verkehrsverhältnisse in der engen Anliegerstraße und den Zubringerstraßen für die Nachbarn und Gefährdung von deren Wohneigentum. 

CDU und Grüne geben jeden Gestaltungsspielraum an den Investor ab. Sie versuchen, ihr zerstörerisches Projekt schönzureden, indem sie auf Begrünung von Dächern und Ausgleichpflanzungen verweisen. So nett Dachbegrünungen sein mögen: Sie können nicht den Schaden für Mikroklima und Natur kompensieren, der durch die Vernichtung der alten großen Bäume und Grünflächen entstehen. Und mit einer Kommentatorin unserer Online-Petition erinnern wir an das Statement der Klimaschutzaktivistin Carola Rackete: ‚Es kann keine Lösung sein, für die Fällung alter Bäume ein paar junge Bäume zu pflanzen und dann 150 Jahre zu warten.‘ CDU und Grüne möchten ihr Konzept gern als ‚alternativlos‘ deklarieren. Das ist nicht zutreffend. 

Wie Baurechtsexperten und Verwaltungsjuristen aufgezeigt haben, gibt es sehr wohl einen anderen Weg: Die Erstellung eines Aufstellungsbeschlusses für einen Bebauungsplan für die betroffenen Flurstücke am Bögelsknappen, um die Nutzung und Umgebung der Villa städtebaulich steuern zu können. Das positive Ziel ist die baukulturelle Erhaltung des Ortsbilds und Weiterentwicklung unter Berücksichtigung von Freiflächen und Umgebungsbebauung.
Über 2.360 Menschen haben sich für diesen Weg bislang in unserer Online-Petition ausgesprochen. Auch die mehr als 860 eindrücklichen Kommentare sprechen eine deutliche Sprache. Tierschutzpartei, Die Linke und Die Partei haben einen entsprechenden konstruktiven Antrag eingebracht. Damit würde die Stadt das Heft des Handelns in der Hand behalten; ein durchdachter, intelligenter Plan könnte in der Zeit der Veränderungssperre entwickelt werden. 

Wir appellieren an Sie: 
- Lassen Sie die von Schwarz-Grün im Schulterschluss mit dem Investor geplante Zerstörung des Ensembles von Architektur und Natur nicht zu! Unterstützen Sie den Antrag für den Bebauungsplan mit Erhaltungssatzung nach § 172 BauGB. 
- Verhindern Sie den Verkauf des noch in städtischer Hand befindlichen hinteren bewaldeten Grundstücks an den Investor! Gegen den Verkauf protestieren auch das Bündnis ‚Grüne Lungen für Essen‘, NABU, BUND, Fridays for Future und andere. 
- Wirken Sie darauf hin, dass die Pläne des Investors endlich komplett offen gelegt werden, so dass die Bürgerschaft sich ein vollständiges (!) Bild auf Basis der Fakten machen kann und nicht länger über das wahre Ausmaß des Projekts getäuscht wird!“​ 

Foto: Kosmas Lazarids 

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