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Der Freiligrathplatz bleibt freilig ein Parkplatz

12.03.2021

KETTWIG: Leserkommentar von K.- Peter Fütterer 

„Vielleicht waren die Erwartungen der Politik auch etwas hoch? Ein Platz, der zu 80% aus Fahr- und Parkflächen besteht, wird nicht so leicht zu einem Ort der Begegnung. Die neue Freiheit der Fußgänger, sich auf diesen 80% gleichberechtigt zwischen fahrenden und parkenden Fahrzeugen durchschlängeln zu dürfen, wird vielleicht auch nur noch nicht so richtig verstanden. Klar, im Moment wirkt er noch etwas kühl, da fehlt noch Grün, aber auch eine ganze Reihe von wenig dekorativen Schildern, die das neue Recht überhaupt absichern und solche, die Autofahrer vor den ziemlich sportlichen Bodenwellen an den Zufahrten warnen, damit sie sich nicht weiterhin die Bodenwanne beschädigen. Und dann hoffen wir mal, dass die Feuerwehr nicht zu häufig über diesen Platz ausrücken muss. Die Einsatzfahrzeuge müssen nach wenigen Metern erst mal auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen, damit sich die Schläuche und Eingeweide der Feuerwehrleute nicht an den Huckeln verknoten. 

Für die Platzgestalter und direkten Anwohner des Platzes war die Entscheidung, die Glascontainer zu verlagern, sicherlich erfreulich. Mehr Gestaltungsspielraum und weniger Lärmbelastung. Aber die Frage, wo denn die Bewohner der vielen altengerechten Wohnungen in der Innenstadt nun ihr Altglas hintragen sollen, bleibt ungelöst. 

Für die verbleibenden 20% der Gesamtfläche, die als Aufenthaltsbereich dringend eine Sanierung gebrauchen konnten, hätte man im Gespräch mit Bürgern vielleicht eine bedarfsgerechtere Gestaltung gefunden, mit weniger Flutlicht und anderen geometrischen Formen als Betonquadern. Wenn Skater die Kanten jetzt abrunden, ist das vielleicht eher der Weg, diese Bedarfsgerechtigkeit noch zu erreichen, als schon mit der Eröffnung über die erste Sanierung mit Stahlkanten nachzudenken? 

Machen wir uns nichts vor, eine großangelegte Beteiligung der Bürger an der Platzplanung hat es nicht gegeben. Das mag daran gelegen haben, dass 25 Jahre nach den Ersten Planungen keiner mehr daran geglaubt hat, dass das jemals etwas geben könnte, oder daran, dass der Platz abseits vom eigentlichen Zentrum und belegt durch Parkplatzbedarf, für die Kettwiger nicht als vorrangig betrachtet wurde. Als das Thema zuletzt in der Bezirksvertretung vorgestellt wurde und der damalige Bezirksbürgermeister überraschend den Bürgern dazu das Wort erteilte, gab es keine einzige Wortmeldung. Was man auch als Desinteresse hätte deuten können, wurde flux als 100%-ige Zustimmung der Kettwiger interpretiert, ein glorreicher Tag für die Demokratie und Bürgerbeteiligung! 

Diese eigenwillige Wertung lag in der Zeit, als sich hunderte von Kettwigern auf dem Rathausplatz trafen und über eine Neugestaltung diskutierten, später in großer Anzahl eine Initiative für die Umgestaltung per Unterschrift und Spenden in Höhe von 40.000 € unterstützten. Diese vielen engagierten Kettwiger wurden damals als unbedeutende Minderheit abgetan. 

Aber das ist lange her, fast zwei Jahre, und wir haben ein neu zusammengesetztes Bezirksparlament, mit neuer Leitung. 

Der Freilig-Parkplatz ist jetzt sauber und aufgeräumt, kleine Schwächen lassen sich nachbessern oder werden sich mit der Zeit lösen, aber das Geld ist ausgegeben und damit vielleicht der teuerste verkehrsberuhigte Parkplatz in Essen entstanden. Haken dran!


Was jetzt drängt, ist ein Fortschritt für die Neugestaltung des Rathausplatzes. Für den gibt es wirklich ein reges Interesse der Bürger und die Riesensumme von 40.000€ an Spenden droht im April, nach fast zwei Jahren, zu verfallen. Es wäre schön, die Bezirksvertretung würde sich zusammen mit der Stadt Essen mit dem erforderlichen Schwung dieses Themas annehmen. Das würden die Kettwiger sicherlich danken.“ 

Foto: Kosmas Lazaridis 

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