„Mehr Geld, aber auch mehr Rechte einfordern“
07.01.2025
ESSEN: Mini-Jobber
Von Nina van Bevern
Zum Jahreswechsel gibt es für tausende Beschäftigte in Essen eine gute Nachricht: Mini-Jobber dürfen ab Januar bis zu 603 Euro monatlich verdienen. Grund ist die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro pro Stunde. „Die meisten Mini-Jobber bekommen nur den gesetzlichen Mindestlohn. Und der steigt ab Januar um 1,08 Euro“, erklärt Martin Mura, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Ruhrgebiet.
Wer zehn Stunden pro Woche arbeitet, hat damit 47 Euro mehr im Portemonnaie. Doch die NGG belässt es nicht bei der Lohnfrage. Mura macht deutlich: „Mini-Jobber sind keine Beschäftigten 2. Klasse – und sie dürfen auch nicht so behandelt werden.“ Die Gewerkschaft kritisiert, dass geringfügig Beschäftigte oft als Aushilfen mit weniger Rechten gelten. Dabei stehe ihnen Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Zuschläge für Nacht- oder Wochenendarbeit genauso zu wie Vollzeitkräften. „Wenn es im Unternehmen Zuschläge gibt, dann dürfen Mini-Jobber auch dabei nicht leer ausgehen. Genauso wie beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld“, betont Mura.
Besonders im Gastgewerbe sind Mini-Jobs weit verbreitet: 6.850 Beschäftigte arbeiten allein in der Gastronomie in Essen. „Egal, ob jetzt auf dem Weihnachtsmar kt oder im Sommer im Biergarten – Unternehmen nutzen Mini-Jobs, um es wirtschaftlich rundlaufen zu lassen“, so Mura. Die NGG sieht diese Entwicklung kritisch: „Mini-Jobs verdrängen Vollzeitstellen. Reguläre Jobs bieten den Beschäftigten einen kompletten Sozialversicherungsschutz – von der Rente über die Pflege bis zur Arbeitslosigkeit.“
Die Gewerkschaft fordert deshalb eine grundlegende Reform. „Auch für Jobs mit geringer Wochenarbeitszeit muss gelten: Wer arbeitet, muss ab der ersten Stunde komplett sozialversichert sein.“ Besonders Frauen seien von den Nachteilen betroffen: 57 Prozent aller Mini-Jobber in Essen sind weiblich. „Oft machen gerade junge Mütter den Mini-Job anfangs nebenbei, um später wieder voll in den Beruf einzusteigen. Genau das gelingt vielen aber nicht. Der Mini-Job wird so zur beruflichen Sackgasse – mit allen Folgen bis hin zur deutlich geringeren Rente“, warnt Mura.
Foto: NGG
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