Bürgerinitiative warnt vor Verlust des Gartenstadt-Charakters am Schmachtenberg
21.01.2026
KETTWIG: Petition ins Leben gerufen
Von Nina van Bevern
In Kettwig regt sich Widerstand gegen ein geplantes Bauvorhaben an der Ecke Schmachtenbergstraße / Kemmannsweg. Anwohnerinnen und Anwohner haben eine Petition zum Erhalt der geltenden Ortssatzung ins Leben gerufen und eine Bürgerinitiative buergerinitiative-kemmannsweg@gmx.de gegründet. Sie befürchten, dass der Charakter der Gartenstadt durch immer größere Wohnkomplexe dauerhaft verloren geht. Konkret geht es um ein geplantes Apartmenthaus mit bis zu acht Wohneinheiten und Tiefgarage auf einem rund 2.000 Quadratmeter großen Grundstück. Das Gebäude soll eine Grundfläche von etwa 40 mal 20 Metern haben und dreigeschossig ausgeführt werden.
Nach Einschätzung der Anwohner fügt sich dieses Bauvorhaben nicht in die bestehende Bebauungsstruktur ein. In einem offenen Brief an die Baubehörde heißt es: „Das geplante Gebäude fügt sich in keiner Weise in die bestehende Bebauungsstruktur ein und verstößt nach Einschätzung der direkt betroffenen Nachbarn gegen die geltende Ortssatzung.“ Besonders kritisch sehen die Anwohner, dass in der Vergangenheit bei Bauvorhaben im Geltungsbereich der Ortssatzung strengere Maßstäbe angelegt wurden. „Andere Bauvorhaben in unserem Viertel mussten sich an die Vorgaben halten und wurden entsprechend mit maximal 1,5 Geschossen realisiert. Warum erfährt dieses Projekt eine Sonderbehandlung?“, fragt die Bürgerinitiative.
Eine frühere Anfrage zum Bau von Mehrfamilienhäusern auf demselben Grundstück sei noch abgelehnt worden; genehmigt worden seien damals lediglich vier Einfamilienhäuser. Hinzu kommt aus Sicht der Initiative die Sorge um Verkehr und Sicherheit. Die Kreuzung liege direkt an einem Schulweg und sei bereits heute unübersichtlich. „Ein Bauvorhaben dieser Größenordnung wird das Verkehrsaufkommen erheblich erhöhen“, heißt es in der Stellungnahme.
Man befürchte zudem einen gefährlichen Präzedenzfall: „Sollte dieses Bauvorhaben genehmigt werden, würden weitere profitorientierte Bauprojekte folgen und die Lebensqualität aller Anwohner nachhaltig beeinträchtigen.“ Auch die Frage, für wen hier gebaut werde, stellen die Initiatoren. Zwar erkenne man den Bedarf an Wohnraum grundsätzlich an, doch entstünden hier hochpreisige Eigentumswohnungen. „Diese schaffen nicht den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum, sondern dienen primär der Gewinnmaximierung des Bauträgers“, so die Kritik. Mit ihrer Petition und einem offenen Brief fordern die Anwohner die Stadt auf, den Bauantrag erneut zu prüfen. „Der Erhalt unseres Viertels als lebenswerte Gartenstadt mit maßvoller Bebauung liegt in unser aller Interesse – und im Interesse künftiger Generationen“ , betont die Bürgerinitiative.
Unterstützerinnen und Unterstützer können sich online unter https://c.org/pHTSvZYPGC an der Petition beteiligen, zusätzlich liegen Unterschriftenlisten in der Adler-Apotheke und bei Physio Kettwig aus. Außerdem kommt die Amtsleiterin Martina Stefens von der Bauaufsicht am morgigen Donnerstag um 18 Uhr in den Schmachtenbergshof. Die Anwohner meinen: „Wenn die Kettwiger auch hier ihren Unmut über die Gewinnmaximierung der Bauunternehmen Ausdruck verleihen, wäre das nicht schlecht.“
Fotos / Grafik: Kosmas Lazaridis, Bürgerinitiative
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