Wohnungsnot verschärft sich weiter
04.02.2026
ESSEN: Gewerkschaft fordert Unterstützung
Von Nina van Bevern
Bezahlbarer Wohnraum wird zunehmend knapp und das mit spürbaren Folgen für junge Menschen in der Ausbildung und für Ältere im Ruhestand. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf den aktuellen „Sozialen Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts hin. Besonders betroffen sind Auszubildende.
„Etliche der rund 10.800 Azubis in Essen wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Peter Köster, Bezirksvorsitzender der IG BAU Mülheim-Essen-Oberhausen. Steigende Mieten würden inzwischen sogar Ausbildungsverträge gefährden. „Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist“, so Köster. Scheiterten Verträge am Wohnungsmangel, „kann sich die heimische Wirtschaft das nicht erlauben“. Die IG BAU fordert deshalb mehr Unterstützung von Bund und Land beim Neubau von Azubi- und Studierendenwohnungen. „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben“, betont Köster.
Zunehmend geraten auch ältere Menschen unter Druck. In Essen werden bis 2035 rund 62.900 Baby-Boomer in Rente gehen. „Viele der Baby-Boomer in Essen bekommen nur eine niedrige Rente“, sagt Köster. Wenn die Mieten weiter steigen, könnten sich viele ihre Wohnung nicht mehr leisten: „Sie wohnen sich regelrecht arm.“ Die IG BAU warnt vor einer weiteren Zuspitzung auf dem Wohnungsmarkt. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, fordert Köster. Ein zentraler Schlüssel sei der Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt.“
Der „Soziale Wohn-Monitor“ nennt dafür klare Zielzahlen: Bis 2035 müssten in Nordrhein-Westfalen 454.900 Sozialwohnungen zur Verfügung stehen. Dafür seien jährlich 17.900 neue Sozialwohnungen nötig. „Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache werden“, so Köster. Fördergelder müssten frühzeitig bereitstehen und günstigeres Bauen ermöglicht werden, um bezahlbares Wohnen langfristig zu sichern.
Foto: IG BAU
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