„Teilzeit ist keine Bequemlichkeit!“
17.02.2026
ESSEN: Gewerkschaft fordert Kurswechsel
Von Nina van Bevern
In Essen arbeiten zehntausende Menschen in Teilzeit, die große Mehrheit von ihnen sind Frauen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Ruhrgebiet nimmt diese Zahlen zum Anlass, die CDU vor ihrem Parteitag zu einem Kurswechsel in der Teilzeit-Debatte aufzufordern: Rund 84.600 Menschen in der Ruhrmetropole haben einen Teilzeitjob, 71 Prozent von ihnen sind Frauen. Bei den Vollzeitstellen liegt der Frauenanteil dagegen nur bei 37 Prozent. Die NGG Ruhrgebiet beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur. „Einen Teilzeitjob zu machen ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung“, betont NGG-Geschäftsführer Martin Mura.
Wer nicht Vollzeit arbeite, habe „heute schon weniger Geld auf dem Konto und später weniger Rente“. Teilzeit sei „keine Bequemlichkeit“, sondern für viele die einzige Möglichkeit, Beruf, Familie und Pflege zu vereinbaren. Scharfe Kritik übt die Gewerkschaft am Wirtschaftsflügel der CDU. Sollte dieser Menschen in Teilzeit, die zusätzlich Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, faktisch zu Vollzeit verpflichten wollen, lasse das „jedes soziale Gespür vermissen“, so Mura.
Er appelliert an die CDU in Essen und an die Delegierten aus der Region, den entsprechenden Antrag auf dem Parteitag Ende Februar in Stuttgart „abzuschmettern“. Statt Druck auszuüben, brauche es bessere Rahmenbedingungen. Es bringe nichts, Beschäftigten „die Daumenschrauben anzuziehen“, solange es an Kitaplätzen und einer funktionierenden Pflegeinfrastruktur fehle. Zwar habe der Wirtschaftsflügel diesen Punkt inzwischen aufgegriffen, doch das reiche nicht aus.
Gleichzeitig warnt die NGG Arbeitgeber davor, insbesondere Frauen in Teilzeit zu drängen. Entscheidend sei, „welches Arbeitspensum man persönlich machen kann und will“. Wer Vollzeit arbeiten könne, solle sich „nicht mit einem Teilzeitjob abspeisen lassen“.
Foto: NGG
#ngg #teilzeitjob #essen #kettwig #intern