Anwohnerprotest gegen Neubau am Kemmannsweg wächst
15.02.2026
KETTWIG: Bürgerinitiative lässt nicht locker
Von Nina van Bevern
Im Schmachtenbergviertel wächst der Protest gegen das geplante Neubauprojekt an der Ecke Kemmannsweg und Schmachtenbergstraße. Auf dem rund 2.000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein dreigeschossiger Bau, aus Sicht des Kemmannswegs mit 20 Meter Tiefe, 40 Metern Breite und mit acht hochwertigen Wohneinheiten und einer Tiefgarage entstehen. Die geplante Höhe des Neubaus würde die umliegenden Einfamilienhäuser deutlich überragen. Für viele Anwohner ist das Projekt deshalb ein massiver Eingriff in das gewachsene Ortsbild der Gartenstadt.
Besonders groß ist der Unmut darüber, dass für die Anwohner über Jahrzehnte hinweg die Ortssatzung aus dem Jahr 1955 galt, die nur eineinhalb Geschosse und eine maximale Bautiefe von zwölf Metern zulässt. Zahlreiche Bauanträge mussten sich an diese Vorgaben halten. Nach Auffassung der Bürgerinitiative ist unverständlich, warum nun ein Projekt genehmigt wurde, das diese Vorgaben deutlich überschreitet, während die Ortssatzung bislang nicht modernisiert wurde.
Die Initiative betont, dass eine Aktualisierung der Ortssatzung grundsätzlich in Frage komme, jedoch nicht durch einzelne Ausnahmen ersetzt werden dürfe. „Wir können nicht nachvollziehen, warum man hier etwas völlig anderes zulässt, ohne die Satzung vorher transparent und für alle gleich anzupassen. Kritik richtet sich insbesondere gegen die Heranziehung von Paragraph 34 BauGB als Grundlage des erteilten Vorbescheids und dessen Anwendung im vorliegenden Fall“, unterstreicht Anja Hamm von der Bürgerinitiative.
Für die Prüfung der Bauvoranfrage wurde der Schmachtenbergshof als Referenzgebäude herangezogen. Dabei handelt es sich dabei bekanntermaßen um einen Hotel- und Gastronomiebetrieb. Und dieser ist vom betreffenden Baugrundstück praktisch nicht zu sehen und aus Sicht der Bürgerinitiative auf keinen Fall mit der umliegenden Einfamilienhausbebauung vergleichbar. „Man hat nicht auf die direkten Nachbarhäuser geschaut, sondern ein Sondergebäude mehrere Straßen weiter und außerhalb der Ortsatzung befindlich als Maßstab genommen, das passt weder städtebaulich noch vom Charakter her“, so Anja Hamm. Das Gebäude fügt sich nicht in die vorhandene Umgebung ein und verstößt somit auch gegen den von der Verwaltung herangezogenen Paragraphen 34.
Die Initiative konnte erreichen, dass die Stadtverwaltung ihre Vorlage zur Aufhebung der Ortssatzung zurückziehen musste. Trotz dieses Zwischenerfolgs besteht jedoch weiterhin ein gültiger Bauvorbescheid. Der Investor könnte somit jederzeit nach Erteilung der Baugenehmigung mit dem Bau beginnen.
Für die Anwohner ist dies ein beunruhigender Zustand: „Wir müssen die Gültigkeit der Ortssatzung sichern, sonst wird hier gebaut, obwohl das unserer Ansicht nach nicht zulässig ist.“ Die Onlinepetition der Bürgerinitiative hat innerhalb kurzer Zeit 1.513 Unterstützer gefunden, die Unterschriften wurden bereits an Oberbürgermeister Thomas Kufen überreicht.
Nach Angaben der Initiative hat sich ein großer Teil des Viertels angeschlossen und auch aus anderen Teilen Kettwigs kommt deutliche Rückendeckung für das Anliegen. Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass eine Klage notwendig sein wird, um die Genehmigung rechtlich überprüfen zu lassen und den Bau im Zweifel zu stoppen.
Foto: Kosmas Lazaridis
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