Sparkurs mit Nebenwirkungen: Wenn 20 Minuten plötzlich 2,5 Stunden dauern
28.02.2026
KETTWIG: Schulbus vor dem Aus
Von Kosmas Lazaridis
Seit fast 50 Jahren verbindet ein eigener Schulbus Breitscheid mit Kettwig. Doch nun will die Stadt Essen die Finanzierung zum neuen Schuljahr einstellen. Was im Rathaus als notwendiger Sparschritt gilt, sorgt bei uns in der Gartenstadt für erhebliche Unruhe.
Rund 200 Schülerinnen und Schüler aus dem benachbarten Ratinger Stadtteil besuchen das THG und die Realschule. Das bereichert den Schulstandort Kettwig enorm, was auch Oliver Bank in seinem Leserbrief betont. Vor allem das THG könne dank der höheren Schülerzahlen „attraktive und breit gefächerte Kursangebote“ machen, „wovon auch die Kettwiger Schüler*innen profitieren.“ Der Bus ist also mehr als nur eine bequeme Verbindung; er stabilisiert das schulische Angebot vor Ort.
Doch weil die Stadt Essen einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen muss, kommen „alle ‚freiwilligen‘ Kostenpositionen auf den Prüfstand“, so Bank. Der Schulbus fällt darunter und wird gestrichen. Was jahrzehntelang selbstverständlich war, gilt plötzlich als entbehrlicher Luxus.
Die Eltern haben Alternativen geprüft. Verbindungen wurden „nicht nur simuliert“, sondern „mehrfach abgefahren“. Das Ergebnis: Aus 20 Minuten Fahrzeit können mit Umwegen „bis zu 2,5 Stunden“ werden. An „pünktliches Erscheinen zum Unterrichtsbeginn“ sei da kaum zu denken. Gleichzeitig würden sich rund 200 zusätzliche Schülerinnen und Schüler in ohnehin volle Busse drängen: „davon ab, dass der normale Linienverkehr die Kapazitäten gar nicht hat", unterstreicht Oliver Bank.
Und was sagt die Stadt Essen dazu? Auf Nachfrage von Kettwig intern erklärt Pressesprecherin Silke Lenz sachlich: „Diese freiwillige Leistung für Ratinger Bürgerinnen und Bürger muss in der Tat aufgrund der Haushaltslage in Essen gestrichen werden. Ab dem neuen Schuljahr müssten Eltern „die Anreise zu den Schulen tatsächlich selbst organisieren.“ Man nehme die Anregungen ernst und wolle das ÖPNV-Angebot ausweiten; zudem gebe es ein ermäßigtes „Deutschlandticket Schule“.
Das klingt nach einer Lösung, ist aber bislang vor allem eine Ankündigung. Sollte es keine tragfähige Alternative geben, dürfte sich der Verkehr rund um die Kettwiger Schulen spürbar verändern. Mehr Elterntaxis, mehr Gedränge, mehr Frust. Sparen ist notwendig. Doch wenn aus 20 Minuten Schulweg zweieinhalb Stunden werden, stellt sich die Frage, ob hier am richtigen Ende gekürzt wird...
Foto: Mario Guti iStock
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