Tradition und Arbeitsplätze unter Druck
18.04.2026
ESSEN: Mehr Kundschaft für Bäckereien
Von Nina van Bevern
Die Bäckereien in Essen kämpfen mit sinkenden Verkaufszahlen und hoffen auf mehr Unterstützung aus der Bevölkerung. Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) warnt vor einem Rückgang der Kundschaft und ruft dazu auf, gezielt im lokalen Handwerk einzukaufen. Rund 70 Bäckereien mit etwa 2.020 Beschäftigten gibt es nach Angaben der NGG in Essen. Doch viele Betriebe spüren derzeit eine spürbare Zurückhaltung beim Einkauf. „Die rund 70 Bäckereien und ihre Filialen in Essen können mehr Kundschaft gebrauchen“, sagt NGG-Geschäftsführer Martin Mura und warnt vor einer „Kunden Ebbe“ in der Branche.
Besonders der Trend zum Einkauf beim Discounter setze den Betrieben zu. „Mit dem Run auf die Brotregale beim Discounter setzen die Menschen die Backtradition aufs Spiel“, so Mura. Nach Beobachtungen der Gewerkschaft seien bereits zu Jahresbeginn weniger Backwaren verkauft worden. „In vielen Bäckereien in Essen sind weniger Brote und Brötchen über den Verkaufstresen gegangen“, erklärt Mura. Für die Betriebe sei das eine wirtschaftliche Belastung. Ziel müsse es daher sein, den „Trend zur Tradition des Bäckerhandwerks“ wieder zu stärken.
Ein Argument für den Einkauf vor Ort sieht die NGG auch in den Arbeitsbedingungen. „Wer beim Bäcker um die Ecke kauft, kauft fair und lecker“, betont Mura. So seien die Löhne zuletzt gestiegen. Bäckergesellen und Fachverkäuferinnen erhielten seit April mehr Geld. „Sie haben damit am Monatsende 75 Euro zusätzlich auf dem Lohnzettel“, so Mura. Auch ungelernte Kräfte profitierten von einem Plus. Zusätzlich gebe es eine steuerfreie Einmalzahlung für Beschäftigte.
Gleichzeitig versichert die Gewerkschaft, dass sich die Tariferhöhung kaum auf die Preise auswirken werde. „Es gibt also keinen Grund, der Bäckerei den Rücken zu kehren“, sagt Mura und ergänzt, „fairer Lohn und gute Handwerksqualität sollten es wert sein, beim Bäcker um die Ecke zu kaufen“. Auch insgesamt seien die Löhne im Bäckerhandwerk solide. „In Essen geht keiner mit einem Stundenlohn unter 14,10 Euro nach Hause“, erklärt Mura. Ziel sei es, die Branche attraktiv zu halten und Nachwuchs zu gewinnen. „Vor allem auch, um junge Menschen zu gewinnen, damit die sagen Wir backens“, so der Gewerkschafter.
Foto: NGG
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