Zwischen Millionengehältern und Alltagssorgen
21.04.2026
ESSEN: NGG warnt vor wachsender Kluft
Von Nina van Bevern
Die soziale Schere in Essen öffnet sich weiter. Während einige wenige über Millioneneinkommen verfügen, kämpfen viele Beschäftigte im Alltag mit steigenden Lebenshaltungskosten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten schlägt Alarm und fordert von der Politik ein Umdenken. Nach aktuellen Zahlen leben in Essen 220 Einkommensmillionäre. Dem gegenüber stehen 271.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Rechnerisch bedeutet das, dass „auf 1.235 Beschäftigte ein Mensch kommt, der ein Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr hat“, so die NGG Ruhrgebiet unter Berufung auf Daten von IT.NRW und der Arbeitsagentur.
Für Martin Mura, Geschäftsführer der NGG Ruhrgebiet, zeigt diese Entwicklung eine deutliche Schieflage. „So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern in Essen aus. Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt er. Er warnt „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage in Essen“, die die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriften lasse. Dabei gehe es laut Mura nicht um Neid, sondern um Gerechtigkeit. „Es geht nicht darum, dass die einen mehr Geld haben als die anderen. Es geht darum, dass wenige im ‚Gold-Statuslevel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen.“
Besonders kritisch sei die Lage für Menschen ohne Arbeit oder mit geringen Renten. „Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, betont Mura. Mit Blick auf das geplante Reformpaket der Bundesregierung richtet die NGG klare Forderungen an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus der Region. „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm“, so Mura. Vermögen und Erbschaften hingegen trügen mit lediglich 1,1 Prozent vergleichsweise wenig zum Steueraufkommen bei.
Kritik übt die Gewerkschaft auch an der Besteuerung von Kapitaleinkünften. Diese würden meist pauschal mit 25 Prozent besteuert, während ein Durchschnittspaar laut NGG rund 43 Prozent an Steuern und Abgaben zahle. „Das müsse Schwarz-Rot jetzt ändern“, fordert Mura. Um die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, spricht sich die NGG Ruhrgebiet unter anderem für eine Vermögenssteuer und einen höheren Spitzensteuersatz aus. Auch das Ehegattensplitting sieht die Gewerkschaft kritisch. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere überholte Rollenbilder. Ziel müsse es sein, dass die anstehenden Reformen „die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“.
Foto: NGG
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